Schädel und Knochen Geschichten

Tierstudien beginnen immer mit dem Skelett. Schädel und Knochen zu studieren ist ein wichtiger Bestandteil, um ein Tier korrekt zeichnen zu können. Das gleiche gilt für die Zusammensetzung von Skelett und Muskeln – so kann man den Bewegungsapparat eines Tieres wesentlich besser erfassen und später zeichnerisch richtig wiedergeben. Man beginnt also immer an der Basis und arbeitet sich langsam voran.


Woher nimmt man die Vorlagen?

Was in der botanischen Kunst gilt, gilt auch beim Zeichnen von Tieren: Fotos sind hilfreich, aber keine Referenz, wenn man genau arbeiten möchte.

Hierbei gilt ebenfalls die Regel: „Draw from life.“…. sorry, ich sollte hierbei eher sagen: „Draw from death.“

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Auf der einen Seite gibt es in Fachbüchern gute anatomische Studien, die man sich auf jeden Fall ansehen sollte, aber nichts ist besser, als ein Besuch im Naturkundemuseum.

Starter-Übungen:
Wenn Du das Glück hast und der Weg nicht weit ist, kann ich Dir nur empfehlen Dir mal einen Tag lang Zeit zu nehmen und mit einen Skizzenbuch in ein Naturkundemuseum in Deiner Nähe zu gehen. Zeichne was Du dort siehst und beobachtest.


Das ist der erste Schritt, um Dein Auge für Details zu schulen und Dein Studienobjekt besser zu verstehen.
Der Vorteil den Du im Zoo nicht hast: alles steht still, Du kannst Dich voll und ganz auf das Zeichnen konzentrieren.

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Das Bild rechts ist im Naturkundemuseum in Stuttgart entstanden. Es handelt sich hierbei um einen Zwerghirsch (Micromeryx), Skelett und Präparat sind eine sehr gelungene Rekonstruktion eines interessanten Skelettfundes von 1979.


Ständiges Üben durch Observation und Perspektivenwechsel gibt Dir Sicherheit in Deiner Zeichnung.
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Diese Skizze eines Schädel eines Raben (Corvus Corax) habe ich in einem Museum gezeichnet.

Es war sehr hilfreich den Schädel vor mir zu haben und ihn aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten
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Aber ich hätte gerne meine Studien fortgesetzt und mehr gezeichnet – den Schädel von allen Seiten betrachtet.

So wurde mir schnell klar, wenn ich mich intensiv damit auseinandersetzen möchte, benötige ich einen Rabenschädel…. so begann die Jagd nach dem Schädel… und endet in einer Sammlung.


Frau Burk, haben Sie ein Skelett im Schrank?

Woher bekommt man einen Schädel? Ganz klar: das Internet ist wirklich voll von Kuriositäten, was man da bei der Suche manchmal sieht, ist leider manchmal extrem schräg und grausam.
Wenn Du Knochen oder Schädel zum Zeichnen suchst, hast Du die Wahl:
– echte Exemplare
– Replikate

Echte Exemplare:

Hierbei ist es immer wichtig zu wissen, woher die Schädel und Knochen kommen. Der Online-Handel boomt und die Anbieter sind nicht immer seriös. Das Thema Artenschutz, Tierwohl und Tierschutz sollte bei Deiner Suche Priorität haben.

Seriöse Anbieter gehen transparent mit dem Thema um und teilen Dir mit, woher die Knochen kommen. Lieferanten aus Asien und Osteuropa sind mit Vorsicht zu behandeln. Wenn bestimmte Pelze, Tierknochen und Schädel (Marder, Waschbär, Fuchs) in großer Masse zu extrem günstigen Preisen angeboten werden, dann ist etwas faul. Eventuell stammen diese Knochen dann aus irgendwelchen Pelzfarmen. Wenn es sich um exotische Tiere handelt, solltest Du doppelt so kritisch sein, ob nicht eine Verletzung gegen das Artenschutzgesetz dabei vorliegt. Am Ende sprechen wir hier immer noch von einem echten, (vorher) lebenden Tier, was sein Leben gelassen hat.

Wenn Du Dich mehr dazu informieren möchtest, schau Dir die Website und Broschüre über Artenschutz des Bundesamt für Naturschutz an.

Ich habe ein paar echte Knochen und Schädel heimischer Tiere von einem Jäger bekommen. Es handelt sich dabei um Fundtiere, also nicht extra für dieses Geschäft getötete Tiere. Das bedeutet auch, dass die Fundtiere reiner Zufall sind und ich nicht gezielt nach dem Tier recherieren kann, was ich mir gerade vornehme.
Wer also nicht unbedingt einen Präparator oder einen Jäger kennt, der muss wieder zurück ins Museum oder oder….

Replikate:

Die bessere Alternative sind Replikate aus Kunstharz. Ob gegossen oder mit dem 3D-Drucker erstellt, beide Techniken sind möglich. Wichtig dabei ist die korrekte Anatomie des Replikats.

Es bringt Dir leider nichts, wenn die Vorlage oder der Guss die wichtigsten Details gar nicht oder nicht korrekt dargestellt sind. Deshalb lohnt es sich auch bei Replikaten nachzufragen woher die Vorlagen kommen. Hierbei sollte es sich um Museums-Qualität handeln, d.h. es wurden echte Schädel und Knochen gescannt oder als Vorlage verwendet. Fotos des Replikates aus unterschiedlichen Perspektiven sind da recht hilfreich. Gute 3D-Drucke sind nicht billig, aber wenn Du es so echt wie möglich brauchst, hat das eben seinen Preis.

Alles andere taugt leider nur noch als Halloween-Dekoration.

Diese Replikate im Bild links sind von der Künstlerin Anna Kersten gemacht worden und sind wunderbar detailreich – hier geht es zu Ihrer Website: DüsterKunst.


BUCH-TIPP:
Skulls - Die faszinierende Schädelsammlung des Alan Dudley
(Skulls - An Exploration of Alan Dudley's Curious Collection)
von Simon Winchester 
(Englischer Verlag: Black Dog & Leventhal)
(Deutscher Verlag: Fackelträger Verlag)

2 thoughts on “Schädel und Knochen Geschichten

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