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So viele Blätter

Die erste Prüfung am London Art College ist vorbei. Ich habe meine Zeichnungen abgegeben und auch meine Kritik erhalten. Damit bin ich sehr zufrieden, zumal ich im Hinblick auf die erste Prüfung doch wirklich sehr nervös war.

Das Prüfungsthema waren 4 Outlinezeichnungen unterschiedlicher Blätter in verschiedener Blattform aus unteschiedlichen Perspektiven zum Auftakt des Studienganges.

Bereits im November hatte ich mich ans Blättersammeln gemacht und unterschiedliche Arten mir angesehen angesehen. So habe ich mir die einen und anderen in die Blumenpresse gelegt und mir somit meine eigenen Herbarbelege erstellt.

getrockenes Ahornblatt, genau das richtige Motiv

Den Prozess entwickeln lernen

Ich habe mir viel Zeit gelassen und so einiges über meinen eigenen Arbeitsprozess herausgefunden.

Am Ende in der Arbeitsprozess beim botanischen Malen das A und O. Ich wollte auf jeden Fall das Ginkgo- und Ahornblatt zeichnen. Es sind, um ehrlich zu sein, meine Lieblinge unter den Blättern.

Ahorn (acer platanoides)

Für das Ginkgoblatt bin ich sogar über einen Zaun gestiegen, um ein Exemplar für meine Herbarbelegsammlung zu bekommen.

Der Nachteil am Winter ist natürlich, dass sich nur wenige frische, grüne Blätter finden lassen. Aber ich konnte das Ganze sehr gut meistern, indem ich mehrere Exemplare meiner Auswahl freiliegend und gepresst trocknete. So konnte ich auch die eingerollten Blätter sehr gut als Belege zum Zeichnen nehmen.

Entwürfe zum Wildrosenblatt (rosa canina)

Ich habe mich Schritt für Schritt an die unterschiedlichen Blätter gewagt und sehr viele Entwürfe gemacht, wo ich auch wieder viele verworfen habe, bis ich mich dann auf die Prüfungsmotive festgelegt hatte.

Für die Prüfung wollte ich gerne Komplexität, aber auch Ästhetik einfließen lassen. Das beginnt schon mit der Auswahl der unterschiedlichen Perspektiven, die am Ende auf ein Blatt kombiniert werden.

Frauenmantel in der Observierungsphase,
das gepresste und das natürlich-geformte Blatt

Ich nutze für meine Blätter und Blumen eine Dritte Hand, die man normalerweise zum Löten zur Hilfe nimmt. Ich kann sie jederzeit umstecken und drehen und platzieren, wie ich es gerne möchte.

Zuerst fertige ich nur grobe Skizzen an, eigentlich sind das eher Merkblätter, wo ich die Merkmale des Blattes dazuschreibe, ähnlich einer Infotafel, was mir an dem Blatt alles auffällt.

Dann mache ich den Rohentwurf und zeichne das gleiche Blatt immer wieder nur mit vermehrten Details, bis ich zufrieden bin.

Oft kann es sein, dass ich mein Motiv verwerfe, wenn ich merke, ich komme nicht weiter. Manchmal mache ich eine Pause, hole mir einen Tee oder mache eine Stunde mal etwas ganz anderes und gehe dann mit frischem Auge wieder an die Sache heran.

Wildrose (rosa canina) und Roter Hartriegel (cornus sanguinea)

Während des ganzen Oberservations- und Zeichenvorgangs habe ich angefangen eine gute Routine zu entwickeln. Wenn man am Anfang mit dieser Aufgabe steht, wo es um akurates Zeichnen geht, ist es bei den ersten Zeichnungen echt mühsam und kompliziert. Aber dann kommt der berühmte Wendepunkt, wo man merkt, dass man aus der Routine heraus die richtigen Ansätze hat.

Was nicht funktioniert hat

Bei dieser Aufgabe haben mir Fotos als Zeichenreferenz nicht geholfen, weil ich die akuraten Maße des Blattes nehmen musste. Deshalb waren leider Herbarbelege, die ich gepresst hatte, vollkommen unbrauchbar, weil sie komplett flach waren und ich keinen weiteren natürlich-geformten Beleg mehr hatte.

Der Hinweis in der Botanischen Malerei “Draw from life!” ist absolut zutreffend und… ja… er hat definitv seine Berechtigung. Kann ich unterschreiben.

Fazit:
Ich bin schlauer als zuvor und meine Angst vor der Kritik meiner Tutorin war absolut unberechtigt. Es hat mir meine Stärken, aber auch meine Schwächen aufgezeigt, was wirklich sehr konstruktiv, unterstützend, aber auch fordernd war. Meine Wahl mein Diplom im Botanischen Malen an dem London Art College zu machen, war absolut richtig und ich bin sehr motiviert für die nächste Prüfung.

Jetzt geht es weiter mit der täglichen Mal- und Zeichenroutine. Die nächste Prüfung steht an mit einer tonalen Zeichnung.
Seit Beginn 2019 habe ich durch meine ganzen Prüfungen bei Newcastle und im LCA hauptsächlich schwarz-weiß gearbeitet. Ich freue mich schon, endlich wieder mit Farbe weiterzumachen.

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